Gedanken über die Körperhaltung

September 11, 2018

Ein glockenhelles Lachen holt mich zurück aus meinen Träumereien. Strahlend blaue Augen fangen meinen Blick ein und ich ertappe mich dabei, dass mir ein kleines, 3-jähriges Mädchen am Tisch gegenüber ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ich kann gar nicht anders. Ich lächle mit ihr und mein Herz öffnet sich.

Das alles geschieht auf der Terrasse eines winzigen Restaurants am Plattensee in Ungarn. Es ist bereits Abend und ein leichter Wind vertreibt die Hitze des Tages. Anstatt weiter zu träumen beobachte ich nur das kleine Mädchen. Weil sie noch so klein ist, sitzt sie in einem Kinderstuhl bei ihrer Familie. Mich fasziniert, wie sie ganz aufmerksam in die Runde blickt und dabei ihren Kopf, der im Verhältnis noch viel zu groß zu ihrem Körper ist, ganz natürlich aufrecht hält. Ihr Rücken ist kerzengerade und es scheint, als würde der schwere Kopf mit graziöser Leichtigkeit dort schweben.

„Ja, sie weiß noch wie das geht!“ denke ich mir und sinniere über meine verspannten Schulter- und Nackenmuskeln, als mein Blick plötzlich auf ein anderes Mädchen fällt. Sie sitzt genau einen Tisch weiter und ist vielleicht 10 Jahre alt. Lustlos, hängt ihr Oberkörper nach vorne, darauf ihr Kopf, unnatürlich wackelnd wie bei einer Marionette. Beim Anblick ihrer leeren und trüben Augen erschaudere ich.

„Was ist nur mit ihr geschehen?“ frage ich mich. „Wir werden alle mit einer natürlichen Neugierde und Offenheit geboren, die sich in unserer leichten, aufrechten Körperhaltung ausdrückt. Was also zieht uns so herunter? Wovor versuchen wir unser Herz zu schützen?“ Verletzungen. Wie schwere Steine, die uns von außen angeboten werden. In der Überforderung des Dramas stimmen wir zu und wissen nicht wohin mit ihnen. Also hängen wir sie an Schnüren über unsere Schultern, legen sie in unser Herz und nehmen sie mit. Der Rücken biegt sich unter der Last und wir lenken den Blick nach innen, in der Hoffnung, dass uns dann niemand von außen einen weiteren Stein gibt. Einen Stein, den außer uns niemand sehen kann.

Neugierig schwankt mein Blick zwischen den beiden Mädchen hin und her. „Was ist euer Geheimnis?“ frage ich mich. „Was darf ich heute von euch lernen?“

 

Etwas später am gleichen Abend erhalte ich unvermittelt die Antwort, sie sprudelt so schnell aus mir heraus, dass ich mit dem Schreiben kaum nachkomme:

 

Wenn du dich aufrecht hältst, kannst du gar nicht traurig sein und ins Drama kommen. Probiere es aus, jetzt sofort! In dem du nur deinen Kopf hebst und deine Handflächen von innen nach vorne drehst. Spürst du es in deinen Schultern? Spürst du es in deinem Herzen? Spürst du, wie sich alles verändert? In dir und damit um dich herum. Deine Körperhaltung löst sofort Offenheit und Freiheit aus und schenkt dir die Möglichkeit mit allen Situationen umzugehen, anstatt dich wie zuvor überfordert in dich zurückzuziehen und zu schützen. Herz öffnen. Ja, Herz öffnen! Du kannst nicht verletzt werden! Öffne dein Herz und lass alles fließen. Brich den Staudamm auf und lass es fließen! Halte dich aufrecht und alles wird leichter, schneller. Du kommst zu dir selbst und bist wieder handlungsfähig. Öffne dich und niemand kann dich berühren um dich zu verletzen. Denn dein Herz reflektiert die Handlung zurück wie ein Spiegel und nichts, gar nichts kommt bei dir an! Nichts nimmst du auf, frisst du in dich hinein. Nichts nimmst du auf, das nicht zu dir gehört. Du reflektierst und gibst dadurch nicht nur dir, sondern auch deinem Gegenüber die Chance zu wachsen. Denn auch er erhält das, was zu ihm gehört und hat die Chance sich mit dem auseinanderzusetzen. Ob er dies tut, das ist nicht deine Verantwortlichkeit. Du hast ihm bereits den größten Dienst erwiesen.

Öffne dich mein Kind und zeige dein Herz so oft wie möglich. Dann gehört dir die Welt und du gehörst der Welt. Dann bist du alles was ist und alles was ist bist du. Bedingungslos geliebte bedingungslose Liebe.

Bedingungslos.

 

Und einer dieser Steine, die du schon so lange mit dir herum trägst zeigt sich dir, im Hier und Jetzt. Denn alles wiederholt sich. Die Namen, die Orte sind anders, doch die Energie ist dieselbe. Du ergreifst den Stein, ergreifst die Chance, zu erkennen was deins ist und was meins. Öffnest einfach dein Herz und lässt das Wunder zu.

 

Und dann einfach mitsingen- inspiriert vom Lied "Do it again." Röyksopp & Robyn 

 

Wait for it.

Wait for the built up!

And then let´s do it again

We do what we want and as soon as it´s done

We just do it again!

 

 

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