Heute lachen wir

September 25, 2018

 Ich erwache aus meinem Traum. Aus den dunklen Schatten blicken mich zwei blau leuchtende Augen an. Ängstlich. Zurückgezogen. Es ist ein Anteil meines inneren Kindes. In der Endlosschleife der Erinnerung gefangen. Es versteht nicht was geschehen ist. Es weint nur, ist außer sich, atmet, weint, schaut um sich wie ein wildes Tier im Käfig und sieht doch nichts. Im inneren eingesperrt.

Der Käfig hat eine Tür und sie leuchtet hell. Das Kind wird niemals dort hinaustreten, denn dort ist die Situation, die es sich erschaffen hat. Die Situation, die sich immer und immer wieder wiederholt. Das Gefühl, dass es nie wieder fühlen will und doch immer wieder fühlen muss - bis es frei ist.

 

Ich kenne das Gefühl, es ist Scham.

 

Doch Heute, im Jetzt, brechen wir aus. Gemeinsam.

Ich gehe zu dem kleinen Mädchen hin, nehme es in meine Arme und blicke ihr ins Gesicht. Sie sieht mich nicht. Ich ziehe mich kurz zurück, nehme einen zweiten Anlauf. Ich springe vor sie hin, lache sie an, mit geöffnetem Herzen. Sie nimmt mich wahr! Jetzt habe ich ihre Aufmerksamkeit!

Ich lege meine Stirn an ihre Stirn. Sie ist heiß vom weinen. Leise sage ich:

„Jetzt gleich, wirst du dort zur Tür hinausgehen. Hab keine Angst, denn ich bereite dich gut auf das vor, was dort geschehen wird.“

„Woher weißt du, was geschehen wird?“ fragt sie mich.

„Weil sich alles wiederholt. Ich bin jetzt 36 Jahre alt und glaub mir, ich habe das, was jetzt geschehen wird, unzählige Male erlebt.“

Sie nickt und ich spüre ihr Vertrauen in meinem Herzen. Jetzt steht die Verbindung.

„Da draußen,“ ich zeige auf die leuchtende Tür, „da wirst du irgendetwas tun, etwas alltägliches, und plötzlich lachen alle über dich. Alle lachen und du weißt nicht warum. Du musst es nicht wissen, denn es ist egal. Heute öffnest du dein Herz und lachst mit ihnen. Du lachst mit allen Menschen über dich und du lachst über sie, weil sie über dich lachen. Du lachst am lautesten.“

Das Mädchen nickt und grinst. Es hat mich verstanden. Es wird ein großer Spaß!

„Dann werden sie aufhören zu lachen.“ fahre ich fort. Sie werden sich umdrehen und sich wieder ihrem Alltag zuwenden. Doch du - du wirst pfeifend fröhlich davon gehen!

Wir blinzeln einander zu und sie steht auf. Rückt ihr Kleid zurecht und schreitet mit erhobenem Haupt zur leuchtenden Tür.

Ich bleibe zurück – im Schatten und lausche.

„Heute, an diesem Tag wird das geschehen.“ flüstere ich ihr zu. Dann höre ich das Lachen - und ihr Lachen. Es ist das glockenhellste von allen. „Und ab jetzt an jedem anderen Tag meines Lebens.“ Wie eine große starke Welle wird mein Herz ganz plötzlich von tiefster Liebe erfüllt. Ein nie gefühltes Glück und ich weine wieder – diesmal Tränen der Freude.

Ich bin befreit. Wir sind befreit. Wir sind wieder vereint.

 

Ich erwache aus meinem Traum.

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